Stottertherapie

Im Laufe meiner langjährigen Praxisarbeit haben sich meine Behandlungen von stotternden Patienten aufbauend auf der Methode und meinem Fachwissen aus dem Institut der "Kasseler Stottertherapie" sehr vertieft und entwickelt.

Es ist mir ein sehr großes Anliegen, diesen Patienten ein größtmögliches Maß an Begleitung und fachlicher Hilfe für eine gute Verbesserung ihrer Sprechqualität geben zu können und ihren Leidensdruck damit zu verringern.

Ganz besonders stotternde Menschen stehen emotional wie auch körperlich unter einem enorm hohen Druck.

Oft ist es die geradezu immer anwesende Angst davor hängenzubleiben, eine Silbe oder ein Wort nicht aussprechen zu können und sich vor anderen Menschen zu blamieren, die sie unbewusst den Atem anhalten und gerade dadurch in die nächste Sprechblockade geraten lässt.

Durch das vermehrte Anhalten des Atems beim Stottern, erhöht sich die Spannung auf den Atem-, Sprech- und Stimmmuskulaturen dieser Patienten in einem ganz enormen Ausmaß.

Dadurch ist das Zwerchfell von Stotterern dann viel zu verspannt, um sich beim Einatmen für eine zum Sprechen ausreichende Luftzufuhr ein wenig in den Bauch hineinsenken zu können.

Einheitlich mit dem verspannten Zwerchfellmuskel verkrampfen sich dann im Kehlkopf die beiden Stimmbandmuskulaturen so stark, dass sie die eingeatmete Luft, die aus der hinter ihnen liegenden Luftröhre kommt, völlig blockieren. Und so kann die Luft dann nicht mehr in den vorderen Mundraum weitergeführt werden.

Diese hohe Spannung der beiden Stimmbänder überträgt sich natürlich auch sofort auf alle Artikulationsmuskulaturen weiter, so dass sich auch Gaumen, Wangen, Zunge, Lippen und Kiefer viel zu sehr verkrampfen, um sich für die Bildung der Laute noch frei, elastisch und flexibel bewegen zu können.

Dann bleibt der Laut in der völlig verspannten Kehle stecken und blockiert damit den gesamten weiteren Verlauf des Redeflusses dieser Patienten. Ihr Sprechen gerät aus dem Rhythmus und eine Blockade schließt sich an die Nächste an.

Deshalb ist es natürlich ganz besonders in der Behandlung von stotternden Patienten sehr wichtig, ihre Atem-, Stimm- und Sprechmuskulaturen durch ein intensives Atemtraining zu lockern und sie damit für eine fliessende und verbesserte neue Sprechtechnik vorzubereiten.

Durch das Atemtraining lockert sich das Zwerchfell für eine dann mögliche tiefere Einatmung, so dass den Patienten dadurch ein größeres Atemvolumen für ihr Sprechen zur Verfügung steht. Gleichzeitig verringert sich durch das Atemtraining auch der zu starke Ausatemdruck auf die Stimm- und Sprechmuskulaturen, so dass der Stotterpatient im anschließenden Sprechtraining lernen kann, seine Laute mit weniger Druck und Muskelkraft viel weicher zu bilden.

Mit dem nachlassenden Druck auf den Stimm- und Sprechmuskulaturen, können sich sowohl die Sprechmuskeln wie auch die Stimmbandmuskulaturen viel freier bewegen.

So blockieren die Stimmbänder dann die Ausatemluft nicht mehr. Stattdessen werden sie nun von ihr ganz fein bewegt und durchvibriert.

Durch diese feinen vibrierenden Bewegungen der Stimmbandmuskeln werden auch die Sprechmuskulaturen noch einmal zusätzlich etwas durchgelockert, so dass dadurch ein freierer Fluss beim Sprechen geschehen kann.

Kein Stotterer kann beim Singen stottern

Wie ich es in meiner Arbeit am „Kasseler Stotterinstitut“ erlernt und in meine eigene Arbeit als sehr wichtig übernommen habe, schule ich die Patienten in meinen Behandlungen darin, beim Sprechen ein gutes und sicheres Gefühl für diese feinen Vibrationsbewegungen ihrer eigenen Stimme zu entwickeln. 

Wenn die Stimme beim Sprechen gut schwingt und vom angehaltenen Atem dabei nicht unnötig unterbrochen wird, wie sehr viele Stotterer es sehr häufig nach fast jedem zweiten bis dritten Wort aus Angst vor ihrer nächsten Blockade tun, dann kann durch diese gesunde Atem- und Stimmtechnik, die der des Singens gleicht, keine Stotterblockade entstehen. Beim Singen fließt der Atem nämlich ohne Unterbrechung bis zur nächsten Einatemphase durch. Und so ist es in diesem Zusammenhang auch sehr wichtig und interessant zu wissen, dass kein Stotterer beim Singen jemals irgendwann einmal stottern kann. Das ist ganz einfach nicht möglich!  - Viele meiner stotternden Patienten berichten mir in unseren Behandlungsgesprächen immer wieder sehr fasziniert von dieser persönlichen Beobachtung und fragen mich nach einer fachlichen Erklärung dafür.

So erarbeite ich mit meinen Patienten eine neue Sprechtechnik, die auf der Basis dieses durchgehenden Atemflusses beim Singen basiert.

Dabei lassen sie dann ihren Atem wie beim Singen durch ihre Sätze fließen, ohne ihn aus Angst vor einer drohenden Blockade zu unterbrechen.

Die Patienten lernen dabei im geschützten Rahmen der Behandlungen sehr gut, ihre Sprechängste bewusst zu verändern und abzubauen. Sie bekommen ein sensibleres Gefühl für ihre Atem- und Stimmtechnik beim Sprechen und lernen, ihre Worte ein bisschen weicher und verbundener ineinander übergehen zu lassen, ohne dass dem Zuhörer diese veränderte Sprechtechnik auffällt.

Es ist sehr schön auch langfristig beobachten zu können, dass meine Patienten durch das Anwenden dieser Sprechmethode nur noch sehr wenige Sprechblockaden haben und sie damit dann natürlich auch viel mehr Freude in ihrer Kommunikation mit anderen Menschen erleben und genießen können. 
Viele stotternde Menschen erfahren durch eine Behandlung zum ersten Mal die bereichernde Freude, die uns eine störungsfreie Kommunikation im Austausch mit anderen Menschen schenken kann.

In ganzheitlicher Therapie, Unterricht, Anleitung zur Selbsthilfe